​Das große Interview mit Sven Jacobsen

​Der Rosenkönig von Nordstrand

Zugegeben, der Titel ist eine kleine Provokation. Denn Sven Jacobsen, Landwirt auf der nordfriesischen Halbinsel Nordstrand, steht nicht im Verdacht, sich aus Marketinggründen mit absurden Titeln zu schmücken. Denn obwohl er sich mit seinen rosenfeines Rosenblüten-Aufstrichen inzwischen in der gesamtdeutschen Gastronomie fest etabliert hat, ist er im Grunde ein Bauer geblieben. Und das mit Stolz.

Der Titel „Rosenkönig“ ist ein running Gag im Freundeskreis. Womit klar gestellt wäre, dass der Interviewer keine neutrale Position gegenüber Sven Jacoben einnehmen kann und auch nicht einnehmen will.

Alles aus einer Hand

Rosenfeines ist ein Ein-Mann-Betrieb. Sven Jacobsen ist in seinem kleinen Reich am Deich nicht nur der Rosenkönig, sondern auch der Rosenkoch, der Rosen-Marmeladen-Abfüller, der Rosen-Logistiker, der… Sie wissen schon, was ich damit sagen will. Sven Jacobsen ist sprichwörtlich das Mädchen für alle Fälle*. Nur bei der Ernte stößt er mit dieser Firmenstruktur natürlich an seine Grenzen. Dann ist er auf Hilfe von außen angewiesen und dann kommt es vor, dass auch wir vom Rosen-Huus Friedrichstadt ihm zur Hand gehen.

Wir kennen Sven Jacobsen. Damit Sie ihn auch besser kennenlernen und damit einen Einblick erhalten, in die Produktion der köstlichen Rosenblüten-Aufstriche, haben wir mit ihm dieses große Interview geführt. Ein Gespräch über Dünger, Pilze und den Überlebenskampf der Rosen. Und natürlich auch, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass er trotz seiner Abneigung gegenüber Rosen, schlussendlich sein Glück in der Rose gefunden hat.

Die wichtigste Frage für viele Konsumenten gleich zu Beginn: Produzierst Du in Bio-Qualität?

Also, wenn man nach den Bio-Richtlinien geht, dann nicht, weil ich Mineraldünger verwende – keinen Humus oder Kompost. Das hat schon so seinen Grund für mich. Es ist zum einen einfach praktischer. Und zum anderen kann ich es so einfach besser kontrollieren, wann die Pflanze ihren Dünger kriegt.

Gerade Rosen brauchen ja unheimlich viel Stickstoff und Stickstoff hält sich nicht lange im Boden. Aber die Pflanze muss dann den Stickstoff haben, wenn sie ihn braucht. Also in der Wachstums-/Blühphase. Mineraldünger ist relativ schnell verfügbar. Ich kann ihn zwei Wochen vorher verteilen, und dann hat die Pflanze ihn. Wenn ich mit einem Naturdünger wie Humus oder Kompost arbeite, weiß ich nicht, wann die Pflanze den Stickstoff kriegt. Wenn es trocken ist, passiert nichts im Boden. Dann wird nichts umgesetzt. Dann ist er vielleicht nicht im Juli verfügbar, sondern erst im August. Dann brauche ich ihn aber nicht mehr. Und von daher ist es für mich wesentlich praktischer.

Andererseits kommt dann noch dazu: Der Arbeitsaufwand. Wenn ich mit Kompost arbeite, habe ich extrem viel mehr Unkraut. Dann muss ich mindestens doppelt so oft mit der Hacke durch. Wenn das überhaupt geht. Bei dem feuchten Wetter bei uns… Ich habe das auch schon gehabt, dass man fast Rasen mähen konnte zwischen den Rosen. Weil ich nicht zum Hacken kam. Und das will ich natürlich nicht noch forcieren.

Von daher ist das wohl nicht die reine Lehre, aber ansonsten: Pflanzenschutz und so wird da nicht gemacht.

Was geschieht, wenn eine Rose erkrankt?

Dann hat sie „Pech“ gehabt. Dann muss sie da durch. Gerade bei den alten Sorten, bei denen sich – vor fünf, sechs Jahren fing das an – der Rosenrost etwas breit gemacht hatte, habe ich das Gefühl, dass sie mittlerweile besser damit umgehen können. Die Pflanze entwickelt ja auch Gegenmaßnahmen.

Darauf zu vertrauen ist das eine, das man machen kann.

Und es ist sehr sinnvoll, die Pflanzen weit auseinander zu setzen. Damit der Pilzdruck nicht so stark ist.

So hat man gute Chancen auf gesunde Pflanzen.

Gesunde Pflanzen?

Ja, robuste Sorten, die nicht so krankheitsanfällig sind. Ich kann mich an eine erinnern, die wir ganz am Anfang mitgepflanzt haben. Die Old Port. Schöne Rose, tolles fruchtiges Aroma, aber so pilzanfällig, dass sie nur drei, vier Jahre durchgehalten hat. Dann waren die meisten Stöcke kaputt. Die konnten das einfach nicht ab.

Mit Wildrosen arbeitest Du nicht?

Doch, mit der Rugosa, also der Sylter Rose. Aber die habe ich nicht in meinem Garten.

Das Problem mit den Wildrosen ist der Ertrag. Das sieht man ja bei der Rugosa. Da braucht man Riesenflächen.

Nach welchen Kriterien hast Du ursprünglich Deine Rosensorten ausgewählt?

Nach meiner Nase. Einfach in der Gärtnerei ins Rosarium gegangen und dort geschnuppert.

Ursprünglich war Dein Rosengarten am Deich doch ein Ziergarten. Hast Du Deine Rosensorten schon damals mit der Nase ausgewählt?

Also, die Rosen waren nie nur zur Zierde da. Die ersten Rosen haben wir gleich für die Marmeladen gepflanzt. Ich habe früher gesagt: Rosen will ich nicht im Garten haben. Nur Arbeit und Ärger … (lacht).

Ich erzähle immer gerne die Geschichte, als meine Oma und mein Opa aufs Altenteil gezogen sind (Anmerkung der Redaktion: Sven Jacobsen hat seinen Hof von seinen Großeltern übernommen), und mich meine Oma gefragt hat, ob sie einen Teil ihrer alten Rosen aus dem Garten ausgraben dürfte, um sie mitzunehmen. Da sagte ich: Nimm die alle mit. Ich will keine Rosen! Sie würde sich köstlich amüsieren, wenn sie das hier alles sehen könnte.

Hat sie es noch erlebt, dass Du wieder Rosen gepflanzt hast?

Ja, sie hat den Anfang noch erlebt. Mein Opa leider nicht. Der wäre vom Glauben abgefallen. Der war ein Landwirt durch und durch. Dass man mit Blumen und Marmeladen Geld verdienen kann, konnte der sich nicht vorstellen.

Du hast schon eine Sorte erwähnt. Gibt es noch andere „Flops“, die Du für Rosen-Marmelade  nicht empfehlen kannst?

Für die Marmelade kann man sie ja alle empfehlen, wenn sie schmecken. Das Problem ist eher der Anbau. Außer der Old Port habe ich keine aussortiert. Toi, toi, toi! Die elf, die da stehen, kommen gut und kommen mit dem Klima und den sonstigen Bedingungen klar.

Schaust Du Dir noch weitere Rosen an oder ist das für Dich erledigt?

Ich schaue schon, ob sich da etwas ergeben könnte. Aber dann klopfe ich mir immer auf die Finger und sage: Nein, zwölf sind genug! (Anmerkung der Redaktion: Sven Jacobsen führt zwölf sortenreine Rosenblüten-Aufstriche im Programm. Elf aus seinem Garten und die zwölfte, die Rosa Rugosa / Sylter Rose, ist eine Wildrose, die er auf Sylt erntet.)

Was ist Deine persönliche Lieblingssorte?

Also, das wechselt immer wieder mal ein bisschen, aber ich tendiere eher zu den milden und lieblichen. Also Hardenberg, Lady Like ist eine ganz tolle, Auguste Louise. Das ist ja das Schöne, wenn man eine große Auswahl hat.

Traditionelle Landwirtschaft in Schleswig-Holstein

There Is No Bed Of Roses

Sven Jacobsen ist ein Landwirt durch und durch. Einer, dem die Berufung in die Wiege gelegt wurde, der sein Handwerk gelernt hat und sich nicht dagegen gewehrt hätte, einen klassischen Betrieb zu führen. Doch der Betrieb, den er von seinen Großeltern übernommen hat, war zu klein und auch sonst schlecht auf die Anforderungen vorbereitet, welche die moderne Landwirtschaft den verbliebenen Betrieben auferlegt.

Viele Mitschüler auf der Landwirtschaft haben ihr Glück ebenfalls gesucht. Viele sind gescheitert oder führen ihren Betrieb nur noch im Nebenerwerb. Auch Sven Jacobsen hat seinen Weg nicht auf Anhieb gefunden, sondern seinen Platz erst nach vielen, bitteren Umwegen über Ackerbau, Schweinezucht, Erdbeerplantage und dem Versuch, aus seinem Garten ein touristisches Ausflugsziel zu machen, gefunden. Heute arbeitet Sven Jacobsen in einer kleinen Marktnische und lebt ausgerechnet von Rosen, die er eigentlich niemals haben wollte. Trotzdem ist und bleibt er im Herzen ein Landwirt. Und das mit Stolz und Freude.

Spürst Du den Klimawandel in Deinem Garten?

Also höchstens in der Weise, dass das Wachstum Jahr für Jahr früher einsetzt. Aber negativ noch nicht. Es ist im Sommer auch länger heiß. Heiß, das bedeutet bei uns „über 25° C“… teilweise 30° C. Das ist schon grenzwertig für die Rosen. Aber ich hab halt das große Glück hier an der Küste, dass das Klima ein bisschen milder ist. Also im Sommer nicht so heiß und im Winter nicht so kalt. Und vor allem der Marschboden immer genügend Wasser hat.

Deshalb habe ich es erst einmal gehabt, dass ich eine Sorte bewässern musste. Das kam aber daher, dass die erst ein gutes Jahr im Boden war, aber schon ein riesiges Gerüst aufgebaut hatte. Da konnte sie die Wurzel einfach noch nicht genügend versorgen. Ansonsten brauche ich den Schlauch nicht anwerfen. Die haben dann zwar etwas Stress, die Pflanzen, das kann man sehen, aber sie kommen damit zurecht.

Klingt ja so, als wäre Deine Produktion, trotz Klima und Krankheiten, relativ konstant.

Nein, das kann man so nicht sagen. Das fängt bei mir schon damit an, wann die Blüte losgeht. Also, ich habe Extreme gehabt, von Ende Mai, bis Ende Juni, dass die erste Rose blühte. Wenn man erst Ende Juni, also so um den 25. rum, mit der Ernte beginnen kann, ist von der zweiten Blüte nicht mehr allzuviel zu erhoffen… Die liegt dann im September / Oktober. Und das macht sich dann schon bemerkbar.

Ich kann das jetzt in Zahlen nicht sagen, aber wir haben wohl, grob geschätzt, Schwankungen um die 20%.

Das hängt natürlich auch vom Wetter während der Ernte ab. Wenn wir einen verregneten Sommer haben, was es ja auch schon gegeben hat, kann ich den größten Teil der Ernte der Hardenberg wegschmeißen, denn die verrottet mir dann schon im Knospenstadium. Die Empfindlichkeiten der einzelnen Pflanzen unterscheiden sich da stark.

Wenn es besonders heiß ist, blühen sie zwar, aber sie schieben nicht so stark neue Triebe nach. Die fehlen dann auch irgendwann.

Das sind halt die natürlichen Schwankungen. Das kenne ich auch von der konventionellen Landwirtschaft.

Sind diese Schwankungen auch beim Geschmack erkennbar?

Nein! Zumindest ich habe da noch keinen Unterschied festgestellt. Auch nicht, ob man an einem sonnigen oder an einem bedeckten Tag erntet. Das Einzige: Wenn es über 25° C geht, dann muss man schauen, dass man spätestens um 11 Uhr damit durch ist, weil es sonst natürlich schon sein kann, dass zu viele der ätherischen Öle verdampfen.

Ich habe schon von Produzenten gehört, die schon morgens um 5 aufstehen, um die Ernte einzufahren…

Jaaa!  Das kann sein, aber bei uns ist es ja so, dass es meistens erst um 9, halb 10 Uhr trocken ist. Zumindest sind erst dann die Pflanzen vom Morgentau trocken. Es ist halt feucht bei uns.

Irgendwo im Süden, wo man schon um 8 Uhr 20° C hat, ist es vielleicht ein anderes Thema.

*Wir entschuldigen uns für den nicht gendergerechten Begriff „Mädchen für alles“. Selbstverständlich sind an dieser Stelle auch alle Männer, Jungs und diversen Leute gemeint. Aber die deutsche Sprache und ihre geflügelten Worte haben sich nicht nach der modernen Auffassung von Gleichstellung und Akzeptanz entwickelt. Wir hoffen, Sie verstehen trotzem was damit gemeint ist.

 

Hintergrund zu „Rosenernte in Gefahr“

Das Klima hat einen großen Einfluss auf das Wachstum von Rosen. Die meisten Rosen bevorzugen ein mildes Klima mit ausreichend Feuchtigkeit und Sonnenlicht.

Zu hohe oder zu niedrige Temperaturen, extreme Trockenheit oder Überflutung können das Wachstum beeinträchtigen oder die Pflanze sogar zerstören. Ein zu heißes und trockenes Klima kann zu Blattverbrennung und Dürrestress führen, während ein zu kaltes und feuchtes Klima Schäden durch Pilzbefall und Wurzelfäule verursachen kann.

Es ist daher wichtig, die Bedürfnisse der jeweiligen Rosenart bei der Wahl des Standorts und der Bewässerung zu berücksichtigen.

Weitergehende Informationen

„Hat der Klimawandel Auswirkungen auf die Rosensaison? Rosen sind prinzipiell sehr hitzetolerant. Dennoch ziehen sie sich bei Trockenheit in eine Art Sommerruhe zurück. Am Blühen hält man selbst blühfreudigste Sorten dann nur durch ständiges Wässern, etwa eine automatische Bewässerung (Tröpfchenbewässerung).

Viel Sonnenschein sagt Rosen grundsätzlich zu und fördert die Blüte. Alte Sorten weisen allerdings meist sehr weiche Blütenblätter auf, die in einer aggressiven Hitze …“ URL: https://www.mein-schoener-garten.de/gartenpraxis/ziergaerten/wann-bluehen-rosen-42907